Kaum eine Wahlsendung im TV, bei der es nicht auch um die Strompreise geht.
Und auch kaum ein Tag an dem Medien nicht darüber berichten.
Der Stern bringt im Nachklapp an die 4er-Kandidaten-Runde bei RTL einen Faktencheck über die Aussage, dass Deutschland die höchsten Strompreise weltweit hat.
Beim Stern gab man Entwarnung, Deutschland wäre nur auf Platz 9. Alles gut, also?
Niemanden beim Stern fiel auf, dass es sich um 2021 Daten handelt, die man gefunden hatte.
Natürlich gibt es neuere Daten und die sind nicht schmeichelhaft.
Rechnet man Kleinstaaten oder Inselstaaten heraus, belegt Deutschland natürlich den Spitzenplatz.
Zeit, noch einmal auf die Entwicklung der Strompreise in Deutschland zu schauen.
Historischer Überblick der Strompreisentwicklung
Seit der Liberalisierung des Strommarktes in den 1990er Jahren haben sich die Strompreise für Endverbraucher in Deutschland kontinuierlich verändert, nämlich erhöht.
Im Jahr 2000 lag der durchschnittliche Strompreis für Haushalte bei etwa 13,9 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Bis 2010 stieg dieser auf 23,7 Cent pro kWh an, was hauptsächlich auf gestiegene Beschaffungs- und Vertriebskosten zurückzuführen war. Im folgenden Jahrzehnt erhöhten sich die Preise weiter, wobei im Jahr 2020 ein Durchschnittspreis von 31,8 Cent pro kWh erreicht wurde. Dieser Anstieg wurde maßgeblich durch die EEG-Umlage und steigende Netzentgelte beeinflusst.
Im Jahr 2024 lag der durchschnittliche Strompreis bei 41,35 Cent pro kWh, was einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr darstellt.
Die Rolle der EEG-Umlage
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde im Jahr 2000 eingeführt, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Kernbestandteil war die EEG-Umlage, die von Stromverbrauchern erhoben wurde, um die Differenz zwischen den garantierten Vergütungssätzen für Erzeuger erneuerbarer Energien und den Marktpreisen zu decken. Die Umlage stieg von 2,05 Cent pro kWh im Jahr 2010 auf 8,5 Cent pro kWh im Jahr 2020. Im Jahr 2021 wurde die EEG-Umlage durch staatliche Zuschüsse gedeckelt und schließlich Mitte 2022 vollständig abgeschafft. Seitdem wird die Förderung erneuerbarer Energien direkt aus dem Bundeshaushalt finanziert. Sie ist also nicht mehr in den Preisen sichtbar und müsste der Vergleichbarkeit wegen mit einberechnet werden.
Aktuelle Entwicklungen und Einflussfaktoren
Trotz der Abschaffung der EEG-Umlage bleiben die Strompreise in Deutschland auf hohem Niveau. Im ersten Halbjahr 2024 zahlten Haushalte durchschnittlich 41,02 Cent pro kWh, was einem Rückgang von 1,7 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2023 entspricht. Dennoch liegen die Preise weiterhin 24,8 Prozent über dem Niveau des zweiten Halbjahres 2021. Ein wesentlicher Faktor für die hohen Strompreise sind die gestiegenen Netzentgelte, die im Jahr 2024 um 19,7 Prozent zunahmen. Diese Kosten decken den Betrieb, die Wartung und den Ausbau der Stromnetze ab. Notwendig sind sie in erster Linie wegen des Ausbaus der Erneuerbaren Energien. Wer auch immer behauptet, dass die Erneuerbaren den Strompreis senken, er blendet diese Positionen komplett aus.
Zudem haben erhöhte CO₂-Zertifikatspreise und die Rückkehr zu regulären Umsatzsteuersätzen die Stromkosten beeinflusst.
Diese Faktoren sind politisch so gewollt.
Auswirkungen der Energiekrise und staatliche Maßnahmen
Die Energiekrise, ausgelöst durch geopolitische Spannungen, sprich Krieg gegen die Ukraine und die Reduzierung von günstigen Gaslieferungen aus Russland, führte zu einem sprunghaften Anstieg der Energiepreise. Um Verbraucher zu entlasten, führte die Bundesregierung im Jahr 2023 eine Strompreisbremse ein, die den Preis auf 40 Cent pro kWh deckelte. Diese Maßnahme lief jedoch Ende 2023 aus. Im Jahr 2024 stabilisierten sich die Strompreise, blieben jedoch deutlich über dem Vorkrisenniveau.
Einige Energieversorger erhöhten ihre Preise erneut, was auf gestiegene Netzentgelte und staatliche Abgaben zurückzuführen ist. Netzentgelte, das hatten wir schon, steigen wegen des Ausbaus der Erneuerbaren, es ist also nicht gottgegeben.
Zukünftige Perspektiven
Die zukünftige Entwicklung der Strompreise in Deutschland hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien erfordert weitere Investitionen in die Netzinfrastruktur und Speichertechnologien, was kurzfristig zu höheren Kosten führen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass der Speichermarkt ein Kapazitätsmarkt wird. Bereits die Zurverfügungstellung der Speicher werden sich die Betreiber vergüten lassen, egal, ob man sie nutzt oder nicht.
Langfristig könnten sinkende Produktionskosten für erneuerbare Energien und technologische Fortschritte zu einer Entlastung der Strompreise beitragen.
Zuvor sind aber riesige Investitionen nötig in die Netze. Wann dieser Zeitpunkt also eintreten wird, ist unklar.
Zudem wird die Integration von Elektrofahrzeugen und dezentralen Speichern in das Stromnetz als Möglichkeit gesehen, Flexibilität zu erhöhen und Kosten zu senken.
Aber auch hier muss ins Netz investiert werden und ob E-Autobesitzer wirklich das Fahrzeug als Speicher hergeben ist ungewiss.
Allerdings warnen Experten vor möglichen Überlastungen der Stromnetze durch den schnellen Zubau von Solaranlagen, bereits in 2025 könnte es ab den Frühjahr zu Problemen im Netz kommen. Kleine ungesteuerte Solaranlagen speisen nämlich ungebremst ins Netz ein, große Solarparks werden abgeschaltet, weil man diese regeln kann.
Experten fordern eine Anpassung der Fördermechanismen sowie den Ausbau von Speicherkapazitäten, was aber wie gesagt mit weiteren Kosten und Auswirkungen auf die Preise einhergeht.
Fazit
Die Entwicklung der Strompreise in Deutschland ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von Fördermechanismen, Marktbedingungen und politischen Entscheidungen. Während die Förderung erneuerbarer Energien durch die EEG-Umlage maßgeblich zum Anstieg der Strompreise beitrug, wurden durch deren Abschaffung und die Finanzierung über Steuermittel neue Wege beschritten. Das aber eher nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn.
Dennoch bleiben die Strompreise aufgrund gestiegener Netzentgelte und anderer Faktoren hoch. Die zukünftige Preisentwicklung wird maßgeblich von Investitionen in Infrastruktur, technologischen Innovationen und politischen Rahmenbedingungen beeinflusst.